Joachim Neumann
Der Beitrag untersucht die kartographische Entwicklung im Oberrheinland vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert anhand der Kartensammlung der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe. Untersucht wird hierbei die Entstehungszeit und Entwicklung dieser Kartensammlung, wobei der Fokus auf der quantitativen Zusammensetzung, der zeitlichen Verteilung und der bibliographischen Struktur des Kartenbestands liegt. Es wird analysiert, wie sich die Sammlung (ca. 1.500 Karten aus dem 16.–19. Jahrhundert) historisch entwickelt hat, welche geographischen und zeitlichen Schwerpunkte sie aufweist und welche Verleger oder Kartenmacher besonders vertreten sind. Die Untersuchung basiert auf einem dreijährigen Erschließungsprojekt, bei dem die Sammlung in einen systematischen Regionalkatalog überführt wurde. Die Sammlung weist eine klare zeitliche Spitze um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert auf und ist durch eine starke Konzentration auf militärisch-politische Ereignisse geprägt. Geographisch dominieren die südwestdeutschen Regionen (Bayern, Franken, Schwaben, Schweiz, Rheinlande). Die Verlegerpalette ist durch süddeutsche Unternehmen wie Homann, Seutter und Lotter sowie niederländische und französische Verleger wie Ortelius, Visscher und Jaillot geprägt. Die Sammlung enthält auch einige seltene und historisch bedeutende Karten, darunter frühe Portulane, Ptolemäus-Abbildungen, Rheinlaufkarten und erste Darstellungen Australiens. Der Beitrag unterstreicht die Bedeutung dieser Sammlung als Quelle für die Kartographiegeschichte des Oberrheinlands und der frühmodernen europäischen Kartenproduktion.