Joachim Neumann
Seit etwa hundert Jahren wird darüber diskutiert, ob die konforme zylindrische Kartenabbildung, die sogenannte Mercatorabbildung, erstmals von Gerhard Mercator in seiner Weltkarte „ad usum navigantium“ aus dem Jahr 1569 verwendet wurde oder vielmehr bereits 1511 in der kleinen Karte von Europa und Nordafrika auf dem Deckel einer Sonnenuhr von Erhard Etzlaub. Die Untersuchung von Etzlaubs Karte, ihres Zwecks und des Abstands ihrer Breitenkreise ergibt Folgendes: Die Etzlaubabbildung ist eine modifizierte quadratische Plattkarte mit konstanten Abständen nur bis zur geographischen Breite von 30° und darüber hinaus bis zum Polarkreis mit linear wachsenden Abständen. Der Zweck besteht darin, Fehler der geographischen Breite der Vorlagenkarte zu korrigieren und einen gleitenden, stärker als nur plattkartenmäßig, größer werdenden Kartenmaßstab zu erzielen. Die Etzlaubabbildung ist keine Vorläuferin der Mercatorabbildung.