Christin Tellisch, Alexander C. Lang
Digitale Schulentwicklung wird als kommunikatives Ordnungsproblem rekonstruiert. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass digitale Transformation in schulischen Organisationen organisational anschlussfähig wird, sofern heterogene Zuständigkeiten, Erwartungen und Verantwortlichkeiten zwischen Schulträgern, Schulen, Medienverantwortlichen, wissenschaftlicher Begleitung und weiteren Beteiligten in bearbeitbare Entscheidungszusammenhänge übersetzt werden. Transprofessionelle Kommunikation bezeichnet dabei eine prozedurale Koordinationsleistung, in der Differenzen zwischen pädagogischen, administrativen, technischen und wissenschaftlichen Handlungslogiken relationiert werden. Hierfür wird eine heuristische Analyseperspektive ausgearbeitet, die drei zugleich wirksame Momente unterscheidet: normative Ansprüche, strukturelle Anschlussbedingungen und mediale Arrangements. Empirisch wird diese Perspektive anhand zweier rekonstruktiver Vignetten aus Netzwerktreffen und Workshops im Verbundprojekt TOBIS (2024 – 2028) erprobt. Rekonstruiert wird, wie Schulträger über Format-, Verfahrens- und Infrastrukturentscheidungen Koordinationsordnungen stabilisieren und dadurch Ordnungen von Verantwortung, Wissen und Partizipation mitkonstituieren. Zugleich treten Ambivalenzen hervor: Formatsetzung, Protokollierung und infrastrukturelle Standardisierung eröffnen Beteiligung, wirken aber selektiv, weil bestimmte Perspektiven leichter in entscheidungsfähige Formate überführt werden als andere. Der medienpädagogische Erkenntnisgewinn liegt darin, digitale Schulentwicklung als Gestaltung institutionell gerahmter Kommunikationsräume und Entscheidungsarchitekturen analytisch zugänglich zu machen.