Oliver Hormann, Barbara Zschiesche, Julia Gerick
Gegenstand dieses Beitrags ist eine methodenintegrative Untersuchung der Bedeutung des Schulleitungshandelns für die Integration digitaler Medien im Unterricht mit dem Ziel der Förderung individueller Lernwege von Lernenden. Der Komplexität des Transformationsgeschehens wurde auf der Folie eines multiperspektivischen Modells des Schulleitungshandelns durch die Kombination quantitativer Mediationsanalysen mit qualitativen Inhalts- und Adressierungsanalysen Rechnung getragen. Datengrundlage der Studie waren eine standardisierte Online-Befragung von Lehrkräften (n = 185) und qualitative Interviews mit Lehrkräften und Schulleitungen (n = 13), die im Rahmen des BMBF-Forschungsprojekts Gelingensbedingungen für die individuelle Förderung mit digitalen Medien in der Schule (Gelindi) an 13 Hamburger Schulen der Primar- und Sekundarstufe erhoben wurden. Die quantitativen Analysen belegen einen indirekten, über die pädagogischen Einstellungen der Lehrkräfte zum Förderpotenzial digitaler Medien vermittelten Effekt der (wahrgenommenen) Unterstützung durch die Schulleitung auf die tatsächliche Nutzung von digitalen Medien im Unterricht zu Individualisierungszwecken. Die qualitativen Inhaltsanalysen lassen demgegenüber erkennen, dass die interviewten Lehrkräfte ihr Engagement in der digitalisierungsbezogenen Schulentwicklung vor allem auf ihre Eigeninitiative zurückführen. Aus adressierungsanalytischer Sicht können die wechselseitigen Rollenzuschreibungen von Lehrkräften und Schulleitungen im Prozess der Schulentwicklungsarbeit als Praktiken des Austarierens konfligierender Ansprüche auf Autonomie und Verbindlichkeit verstanden werden.