Vivien Hartwig, Anna Kuhl, Michael von Aster, Peter Morfeld
Zusammenfassung: Hintergrund: Deutsche Zahlwörter, wie einundzwanzig, entsprechen weder der Schreibrichtung der Ziffernzahlen noch dem Aufbau des Stellenwertsystems (erst Zehner, dann Einer). Methode: 40 rechenschwache Kinder der Klassenstufen 2 bis 6 aus dem Großraum Berlin (Alter: 8 bis 13 Jahre, 25 Mädchen) absolvierten Diktattests mit zweistelligen Zahlen in traditioneller und unverdrehter Zahlensprechweise mit Hilfe der Zwanzigeins-App (randomisiertes 4-Perioden-Experiment mit balanciertem Crossover). Auswertungen erfolgten mit fixed-effects-Regressionsmodellen (linear, Poisson, logistisch). Ergebnisse: Die Studie belegt signifikante (stets p < .05) und relevante Vorteile einer stellenwertgerechten Sprechweise. Im Mittel wurden die Bearbeitungsdauer um mindestens 10% und die Fehleranzahl um 68% reduziert; die durchschnittliche Anzahl fehlerfreier Bearbeitungen stieg um 65%. Diskussion: Es sollte ein wesentlicher Bestandteil des Mathematikunterrichts sowie der therapeutischen Intervention sein, über die Eigenart der deutschen Zahlwörter zu sprechen und die damit verbundenen Schwierigkeiten zu thematisieren. Die Verwendung einer stellenwertgerechten Zahlensprechweise erlaubt einen vereinfachten und stimmigen Zugang zum Dezimalsystem. Durch ein besseres Verständnis für Zahlwörter könnten Kinder tiefere Einsicht in unser dekadisches Stellenwertsystem erlangen, und dies könnte auch dazu beitragen, dauerhafte Schwierigkeiten beim Lernen von Mathematik zu verringern.