Andreas Hamburger
Der Beitrag skizziert die Migration des Traumabegriffs von der Chirurgie über die Psychiatrie und die Psychoanalyse in die Sozialund Geisteswissenschaften und von dort in die Alltagsrede. Es wird gezeigt, wie an jeder Station dieser Wanderung soziale Einflüsse die schrittweise Ausweitung des Begriffs, den concept creep im Sinne einer Normalisierung und Generalisierung des Begriffs, beförderten. Dabei werden auch Tendenzen insbesondere des Dekonstruktivismus kritisch hinterfragt, den Begriff so abstrakt zu handhaben, dass er seinen Inhaltsbezug einbüßt, und ihnen ein in der konkreten klinischen Erfahrung geerdeter psychoanalytischer Begriff des sozialen Traumas entgegengehalten.