Ingo Schäfer, Markus Backmund, Anil Batra, Maurice Cabanis, W Funke, Ursula Havemann-Reinecke, Britta Jacobsen, Falk Kiefer, Nikolaus Lange, Kirsten Lehmann, Ulrich W. Preuss, Stephan Walcher
Zusammenfassung: Hintergrund: Opioidbezogene Störungen (OUD) sind chronische Erkrankungen mit hoher Morbidität und Mortalität. Die Versorgung ist komplex, geprägt durch Komorbiditäten, heterogene Behandlungspfade und regionale Unterschiede. Bisher fehlten systematisch evidenzbasierte Empfehlungen. Ziel der S3-Leitlinie war die Entwicklung praxisnaher Handlungsempfehlungen für alle Versorgungsbereiche. Methodik: Unter Federführung der der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht) und der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) wurde die Leitlinie nach AWMF-Regelwerk (Version 2.0/2.1) erstellt. Grundlage waren PICO-Fragen, systematische Literaturrecherchen und Qualitätsbewertungen. Empfehlungen erfolgten nach GRADE unter Berücksichtigung von Evidenz, Nutzen-Schaden-Abwägung, Patient_innenpräferenzen und klinischer Expertise, konsentiert in moderierten Konferenzen. Ergebnisse: Von 25 027 Treffern wurden 197 Volltexte geprüft, 44 Publikationen eingeschlossen. Für 15 Fragestellungen konnten evidenzbasierte Empfehlungen vergeben, 31 im Expert_innenkonsens beantwortet werden. Insgesamt enthält die Leitlinie 28 evidenzbasierte und 64 konsensbasierte Empfehlungen zu Diagnostik, Therapieplanung, Opioid-Agonisten-Therapie, Entzug, Rückfallprophylaxe, Psychotherapie, psychosozialer Betreuung, Rehabilitation, Komorbiditäten, besonderen Populationen und Schadensminimierung. Schlussfolgerungen: Die Leitlinie ergänzt die BtMVV und Substitutions-Richtlinie und bietet erstmals einen umfassenden Orientierungsrahmen für die Versorgung von OUD in Deutschland. Sie schließt Versorgungslücken und zeigt Forschungsbedarfe, insbesondere zu Diagnostik, psychotherapeutischen Interventionen, integrierten Konzepten und vulnerablen Gruppen.