Markus Böckle, Florian Schmidsberger, Martin Aigner
Zusammenfassung Dieser Beitrag führt knapp in den Begriff des „Leibes“ als gelebten, erfahrenden Körper ein und zeigt dessen Relevanz für Diagnostik und Therapie. Auf Basis der phänomenologischen Psychopathologie werden der Unterschied zwischen Leib (Erleben, Subjekt) und Körper (Objekt) sowie zentrale Konzepte wie Zwischenleiblichkeit, leibliche Resonanz und leibliche Persönlichkeitsstruktur erläutert. Psychisches Leiden wird dabei als Veränderung des In-der-Welt-Seins und der leiblichen Selbst- und Weltbeziehung verstanden – nicht bloß als „Innenpsychisches“ oder neurobiologisches Defizit. Es wird dargelegt, wie die meist vorreflexive, nonverbale Ausdrucks- und Beziehungsebene zwischen Patient:innen und Behandler:innen diagnostisch erschlossen und therapeutisch genutzt werden kann. Die leibphänomenologische Haltung ergänzt die konventionelle Praxis um eine praxisnahe, subjektive bzw. intersubjektive Perspektive.